Bericht Tiefbauamt vom 4. April 1997

Betreff: Offener Wasserlauf im Bereich Kornhaus – Hildegard- und Residenzplatz
- Bericht zur Anfrage von Herrn Stadtrat Kremser vom 05.03.97

1 Vorgeschichte

Der sog. Schlangenbach wurde vor ca. 500 Jahren als künstlicher Triebwerkskanal errichtet. Der Hauptzweck war der Antrieb von Mühlrädern in Stifts- und Reichsstadt. Näheres hierzu kann der beilg. Veröffentlichung von Herrn Rödder entnommen werden.

2 Derzeitiger Bestand

Von den umfangreichen Anlagen ist nur wenig erhalten geblieben. Der ernormen Bautätigkeit ab der Währungsreform ist der größte Teil der meist bruchsteingemauerten Gerinne zum Opfer gefallen.

Das Kernstück der Anlage, der ca. 300 m lange Stollen unter dem Eggener Berg, ist allerdings noch erhalten. Wegen drohender Einsturzgefahr wurde ein etwa 210 m langes Teilstück dieses Stollens 1988 mit einem Kostenaufwand von ca. 200.000,-- saniert.

Zum leichteren Verständnis liegt dem Bericht ein Lageplan mit Legende bei, auf dessen Ziffern bei Bedarf verwiesen wird.

Auch heute wird noch Wasser des Stadtweiherbaches durch den genannten Stollen (Ziff. 2-3) in die Stadt geleitet. Eine Nutzung durch die Stadt erfolgt seit langem nicht mehr. Der einzige Nutzer ist das direkt am Stollenende gelegene Kupferwerk Wankmiller. Das Bachwasser wird dort zum Kühlen verwendet.

Vom Stollenende bis zur Einmündung Reichlin-/Feilbergstraße (Ziff. 4) verläuft der Schlangenbach noch auf historischer Trasse, teilweise zwischenzeitlich verrohrt.

Das folgende, ca. 400 m lange Teilstück bis zur Einmündung Poststraße – Adenauerring wurde 1971 beim Neubau des Adenauerringes beseitigt. Das Bachwasser wird über den im Adenauerring liegenden, großen Regenwasserkanal der Rottach zugeleitet.

Zwischen Mühlweg und Residenzplatz sind noch ca. 600 m das alten, bruchsteingemauerten Gerinnes erhalten (Ziff. 5-6). Im Bereich Hildegardplatz und Residenzplatz dient es heute noch der Platzentwässerung.

3 Möglichkeit einer „Öffnung“ des Schlangenbaches

Die Öffnung des Schlangenbaches wurde im Verlauf der letzten 25 Jahre häufig angeregt bzw. gefordert. Genannt werden sollen nur zwei Beispiele:

Es ist anzunehmen, dass allen Anregungen bzw. Forderungen ungenügende Informationen über die tatsächlich bestehenden Verhältnisse zugrunde lagen.

Grundsätzlich muß deshalb folgendes festgestellt werden:
Ein Bach kann nur dort „geöffnet“ werden, wo ein Bach vorhanden ist!
Nach den Ausführungen unter Ziff. 2 wäre eine Bachfreilegung deshalb nur im Bereich zwischen Stollenende und Reichlinstrasse (Ziff. 4-4) theoretisch möglich, allerdings in diesem Bereich kaum nützlich und für die dortigen Gewerbebetriebe bestimmt hinderlich.

An anderen Stellen im Stadtgebiet und speziell an den von Herrn Kremser genannten Plätzen ist ein Bach nur möglich, wenn eine Zuleitung dorthin gebaut wird. Diese Zuleitung muß immer vom schon genannten Punkt Feilberg-/Reichlinstrasse (Ziff. 4) ausgehen.

Aus praktischen Gründen wird eine solche Zuleitung überwiegend als unterirdische Bachverrohrung ausgeführt werden müssen.

Wenn eine solche Bachverrohrung der historischen Trasse folgt, können unter Umständen Teilbereiche des alten, gemauerten Gerinnes nicht verwendet werden. Um hier Aussagen zu erhalten, sind umfangreiche Ingenieurleistungen erforderlich.

Außer der Zuleitung muß auch an eine Ableitung des Bachwassers vom Hildegard- bzw. Residenzplatz (Ziff. 6) gedacht werden. Zwei Varianten sind denkbar:

Zum einen durch den Hofgarten zum Entlastungskanal des RÜB Hofgarten und zum anderen längs des Pfeilergrabens zum Illersteg. Dabei könnte der wieder hergestellte Stadtgraben mit verwendet werden.

4 Hochwasser durch den Schlangenbach

Der Einlauf vom Stadtweiherbach in den Schlangenbach (Ziff. 1) liegt ziemlich hoch. Der längs der südlichen Stadtbadeinfriedung zulaufende Stadtweiherbach hat deshalb ein ziemlich flaches Bett mit niedrigen Uferböschungen. Bei einem extremen Gewitterregen am 10.06.92 ist der Stadtweiherbach hier über die Ufer getreten und hat im Stadtbad Schäden in Höhe von ca. DM 150.000,-- verursacht. Durch Tieferlegung könnte diese Gefahrenstelle entschärft werden. Eine Wasserausleitung in den Schlangenbach wäre dann nicht mehr bzw. nur mit aufwendigen, zusätzlichen Baumaßnahmen möglich.

Dieser Aspekt ist deshalb in eine Entscheidung über die Zukunft des Schlangenbaches einzubeziehen.

5 Zusammenfassung

Durch den vorhandenen Stollen läuft noch Bachwasser ins Stadtgebiet. Mit dem Bau einer neuen Zuleitung – die sich an der historischen Trasse orientieren würde – und einer neuen Ableitung könnte im Bereich des Hildegardplatzes und evtl. in anderen Teilstücken ein offener Bachlauf gestaltet werden.

Die Kosten sind sicherlich erheblich. Sie können ohne eingehende Untersuchungen (Pläne, Massenermittlung) nicht beziffert werden.

Plan

© Siegfried Neukamm