Der Schlangenbach soll sichtbar bleiben

Stadtgeschichte Warum der Wasserlauf für viele Bürger so interessant ist
VON RALF LIENERT

 

freigelegtes BachbettKempten Mit den Arbeiten am Hildegardplatz rückte er ins Blickfeld: Der Schlangenbach. Immer mehr Bürger wünschen sich, dass der Bach erhalten bleibe. Die alte Wasserführung wurde freigelegt, vermessen, nummeriert und abgebaut. OB Dr. Ulrich Netzer nimmt die Anregungen vieler Kemptener ernst und erklärt: Die Stadt überlege, ob man den Verlauf des Schlangenbachs mit den vorhandenen Platten an der Oberfläche wieder sichtbar machen könne.

  AZ-Leser Kurt Matthäus beispielsweise hat sich Gedanken um den Schlangenbach gemacht. Er plädiert dafür, den Schlangenbach der Nachwelt zu erhalten. Er schlägt vor, einen Teil mit einer begehbaren Glasabdeckung zu versehen.

Was ist der Schlangenbach? Er versorgte über Jahrhunderte die Doppelstadt mit Trinkwasser und übernahm die Abwasserentsorgung. Zuletzt floss durch den Tunnel nur noch ein Regenwasserrinnsaal. Im Zuge der Neugestaltung Hildegardplatz wurden die Sandsteinplatten und Bruchsteine und abgebaut.

Wie alt Ist der Bach? Er war Teil der ersten großen "Fernwasserversorgung" von Reichs- und Stiftsstadt. Dafür wurden an zwei Stellen die Wasserläufe statt zum Bodensee Richtung Iller umgeleitet. Im 12. Jahrhundert wurde der Wiesbach durch einen Stollen in die Stadt geleitet. Von 1456 bis 1493 wurde von Bergwerksleuten ein neuer 300 Meter langer Stollen bei Eggen durch den Höhenrücken getrieben. Das gilt bis heute als besondere Ingenieurleistung. Der Wildmoosbach wurde durch einen 250 Meter langen Kanal in die Reichsstadt geleitet. Zur Regulierung wurde ein Jahr später der Stadtweiher aufgestaut.
  Fürstabt Bernhard von Baden leitete 1677 den Schlangenbach vom Hehlenwehr unter dem Höhenrücken im Bereich Leutkircher Straße durch. 1693 legte Rupert von Bodman den Eschacher Weiher an und leitete den vorhandenen Bach um. Seit dieser Zeit existiert das 14,5 Kilometer lange Bach- und Kanalsystem zwischen Weiher und Eggener Berg. Zur Regulierung wurde der Herrenwieser Weiher angelegt.

Woher kommt der Name? Der Schlangenbach heißt eigentlich nur in seinem neustädtischen Verlauf so, und zwar wegen seiner Krümmungen. Der Bacharm durch die Altstadt wird Stadtbach genannt.

Wo fließt der Schlangenbach? Das ist ein erstaunliches System aus künstlichen und natürlichen Wasserläufen und drei Stauseen. Von der Feilbergstraße führte er Richtung Calgeeranlage, wo ein Wasserrad an die Firma Eiband erinnert. Über die beiden Hofmühlen floss er zum Mühlweg, wo er erstmals geteilt wurde. Der neustädtische Teil ging Richtung Norden zur Brachsäge und Kreiskrankenhaus in die Rottach. Der altstädtische Teil floss zum Hildegard- und Residenzplatz. Der Bach führte zum Schlachthof und über Pfeilergraben zur Iller.

Wofür diente der Bach? Er versorgte 30 Mühlen und Betriebe und diente zur Löschwasser-, teils auch zur Trinkwasserversorgung. Die Kanäle im Bereich der Residenz übernahmen auch die Abwasserbeseitigung.

Wo ist er noch erhalten? Nach wie vor fließt Wasser vom Wildmoosbach über den Stadtweiher, entlang am Stadtbad Richtung Feilbergstraße. Dann verschwindet das Wasser in einem Regenwasserkanal unter dem Adenauerring und fließt in die Rottach. Zwischen Mühlweg und Gerberstraße bestand 1998 ein rund 500 Meter langes Gerinne aus Steinen und Platten.
  Rotary Club Kempten - Residenz und Stadtbaudirektor a.D. Bruno Steinmetz wollten mit der Initiative "Der Schlangenbach lebt" den trocken gelegten Bach sichtbar machen. Die Pläne verliefen jedoch im Sande. Der Residenzplatz wurde umgestaltet, seit 2002 fließt eine Wasserrinne als Erinnerung entlang der Residenz. Mühlrad und Mosaiksteinrinne in der Gerberstraße schließen an.

Mühlen am Schlangenbach

Pflumermühle, entstand vor 1700. Säge Hörburger in Masers, 1909, Masersmühle um 1730, Ölmühle Notzen, um 1730, Schmiede Ermengerst, um 1850,  Mühle Ermengerst, um 1730, Ölmühle Herrenwies, um 1730, Aheggmühle, vor 1701, Ziegelei Johannisried, Rottachmühle, 1569 genannt, Zeller'sche Säge, 1867, Pulverfabrik, 1846 Stiftsstadt, Fürstäbtliche vor 1712, Strickerwalken 1788. Obere Hofsäge, 1719, Untere Säge, Ölmühle, später Schreinerei Eyband, Obere Hofmühle, vor 1566, Untere Hofmühle, vor 1566, Gerberwalke, 1797, Strumpfwirkerwalke, 1719, Werkstatt Mang, 1804, Tonwarenfabrik 1850, Pulvermühle am Schleienweiher, Ölmühle am Schleienweiher, Brachmühle, Schreinerei Anwander, 1859, in der Altstadt, Kotzenmühle, Gerberstraße, vor 1566, Malzmühle gerberstraße, Gewürzstampf Gerberstraße (li)

Verlauf Schlangenbach

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