Kempten Donnerstag, 1. Oktober 1998 Ke / Nummer 226 

Neuer Schlangenbach soll die „drei Plätze“ beleben

Fünf Architektenentwürfe und alle planen mit Wasser Kempten (pa). 

Wenn sich interessierte Kemptener heute Abend bei einer Bürgerinformation im Kornhaus ein Bild davon machen wollen. wie die historischen „drei Plätze“ künftig aussehen könnten, dann werden sie keineswegs schon mit fertigen Beschlüssen konfrontiert. Denn nach einer gemeinsamen Sitzung von Bau und Verkehrsausschuss war gestern noch alles offen. Nur das Auswahlgremium hat sich unter fünf beteiligten Architektenteams bereits einen Favoriten erkoren. Aber das ist für die endgültige Entscheidung des Stadtrates nicht bindend. Den Architekten war, wie Baureferentin Monika Beltinger erläuterte. zunächst die Aufgabe gestellt worden auf dem Residenz- Hildegard- und Kornhausplatz die bislang hauptsächlich als "Verkehrsraum“ genützt würden, eine neue Aufenthaltsqualität entstehen zu lassen Dabei sollte das kulturelle Erbe (die Basilika und die Residenz) aufgewertet und schließlich günstige Voraussetzungen für den benachbarten Einzelhandel geschaffen werden. Diese Aufgabe haben, meinte einstimmig das Auswahlgremium, am besten die Architekten Peter Zwerch (Kempten) und Werner Girsberger (Augsburg) gelöst. Das Gremium hat deshalb dem Stadtrat empfohlen, sie mit der weiteren Bearbeitung zu beauftragen. Deren Entwurf (in Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten FinkPrechter/Möhrle, Augsburg) sieht, wie übrigens auch die Vorschläge anderer Architekten, eine "Wiederbelebung“ des Schlangenbachs südlich der Residenz und des Hildegardplatzes vor. Gut gefiel dem Auswahlgremium außerdem, dass der "grüne Hügel“ auf dem die Basilika steht, in seiner einmaligen Form erhalten bleibt. Über die vorgeschlagene zusätzliche Bepflanzung allerdings müsse man noch reden. Das gilt auch für die Wasserspiele vor dem Kornhaus. Darunter stellen sich die Architekten lautstark überspülte Steinskulpturen "als “Lärmfilter" gegen den Verkehr auf Salzstraße vor. Gelungen fand das Gremium auch die Gestaltung des Residenzplatzes: Zwei Grünflächen, geteilt durch eine Treppenanlage, sowie im Westen ein Wasserbecken und im Osten als „Raumabschluss" ein Info- und Imbisskiosk. Außerdem gefielen ein Marktbrunnen auf dem Hildegardplatz und die Lösung für die verbleibenden oberirdischen Parkplätze. 

In den beiden Ausschüssen wurden die fünf Architektenentwürfe gestern nur kurz andiskutiert. Auf die Frage, ob man sich auf einen Vorschlag komplett festlegen müsse, meinte Beltinger: Das Auswahlgremium habe eine fachliche Beurteilung abgegeben, die aber nicht bindend sei für den Stadtrat. Allerdings warnte die Baureferentin davor, sich aus den verschiedenen Vorschlägen allerlei Details "zusammenzupflücken". An eine Grundkonzeption solle man sich schon halten. Sorge bereitete einigen Stadträten auch, woher man genügend Wasser in ausreichender Qualität nehmen wolle, da der echte Schlangenbach das doch kaum hergebe. Wasser, so Beltinger, komme in allen vorgelegten Architektenarbeiten für die drei Plätze als wichtiges Gestaltungselement vor. Deshalb soll man diese Idee nicht von vornherein trockenlegen, sondern prüfen, welche Quelle sich anzapfen lässt. Das Thema einer Tiefgarage unter dem Hildegardplatz spielte bei der Vorstellung der Architektenentwürfe für die oberirdische Gestaltung der drei Plätze zwischen Kornhaus und Pfeilergraben nur am Rande eine Rolle. Darüber wurde in der Sitzung der Ausschüsse anschließend informiert. Die AZ wird darüber gesondert berichten.

Drei Plätze