Psoriasis

Diese Seite wurde auf Wunsch von Leuten erstellt, die an einer ähnlichen Erkrankung leiden und denen ich somit unter Umständen einen Tipp geben kann. 

Mit 22 Jahren erkrankte ich an einer Schuppenflechte (Psoriasis). Die ersten Krankheitsherde bildeten sich an der Kopfhaut und weiteten sich später auf Knie und Ellenbogen aus. Von verschiedenen Ärzten bekam ich Salben, die zeitweise Linderung brachten. Da die Krankheit schubweise auftritt, hatte ich manchmal starken Befall, so dass mich auch mal ein Bademeister aus dem Schwimmbad verbannte.

Mit 40 Jahren hatte ich einen starken Schub. Mein ganzer Körper war mit Schuppen bedeckt, auch auf den Augenlidern und in den Ohren gab es Schuppen. Ich wurde 4 Wochen stationär in der Hautklinik der Universität in München mit Salben und Bestrahlung behandelt. Nach der Entlassung musste ich noch über einen längeren Zeitraum zur Bestrahlung und war nach Abschluss der Behandlung schuppenfrei und braungebrannt.

Danach gab es immer wieder Schuppenbefall, jedoch nicht mehr so ausgeprägt. 

Mit 54 Jahren schwollen plötzlich Finger übermäßig stark an und ich hatte starke Schmerzen. Mein Hausarzt diagnostizierte eine Poly-Arthritis, schickte mich jedoch zusätzlich zu einem Rheumatologen nach München. In der Zwischenzeit waren die Finger so geschwollen, dass die Haut aufplatzte. In München stellte man eine Psoriasis-Poly-Arthritis fest. Die krankhaften Veränderungen der Haut hatten sich nun auf die Gelenkhaut, die Knorpel, übertragen. Parallel dazu ging die Schuppenbildung auf der Haut nahezu völlig zurück. 

Durch eine hohe Gabe von Cortison klangen die Schwellungen schnell ab. Das Cortison wurde langsam auf eine niedrige Dosis (low dose) zurückgenommen. Ich habe über 9 Jahre hinweg Cortison eingenommen und bekam neben Gewichtszunahme weitere Beschwerden, wie Hitzewallungen und Unwohlsein.

Zwischenzeitlich fing auch das rechte Knie zu schmerzen an. Bei einer Meniskusoperation stellte man fest, dass der Knorpel stark abgenutzt war. Da das Knie an der Innenseite oft um etwa 50% höher belastet wird als an derknie Außenseite, hat sich eine Kniearthrose am inneren Knierand (mediale Kniearthrose) entwickelt. Um eine Entlastung der Innenseite zu erreichen wurde eine Geradestellung oder Umstellungs-Osteotomie vorgenommen. Dabei wird aus dem Schienbein unmittelbar unter dem Knie ein Knochenkeil entnommen und aus dem Wadenbein ein entsprechend großes Stück Knochen entfernt. Auf diese Weise wird die Beinachse korrigiert, d.h. aus einem O-Bein wird ein leichtes X-Bein. Dadurch wird das zerstörte Gewebe ent- und das gesunde stärker belastet. Das Prinzip gleicht dem Austausch von einseitig abgefahrenen Autoreifen.

Bei mir wurde die Operation am 20.11.1998 durchgeführt. Am 6.12. wurde ich aus der Klinik entlassen und war vom 8.12. bis 5.1.1999 in einer ReHa-Klinik zur Nachbehandlung. Am 12.1. wurde das Knie nochmals geröntgt, mit dem Ergebnis, dass ich es zu 50% belasten darf. Ab dem 17.1.1999 kann ich kleine Strecken ohne Krücken zurücklegen. Doch jetzt beginnen die Schmerzen. Mit der Belastung merkt man die geschwächten Muskeln und die neue Beanspruchung der Bänder, Muskeln und Gelenke durch die Umstellung.

Die Schmerzen werden proportional zum Gehen stärker. Wenn ich öfter am Tag das rechte Bein belaste, habe ich Schmerzen an der Operationsstelle, dem Gesäßmuskel und den Waden. In der Nacht schmerzt auch die Operationsstelle und ich werde teilweise von den Schmerzen wach.

Durch viel Training und TaiChi konnte ich nach 2 Monaten 2 Stunden wandern und nach 4 Monaten war die erste kleine Bergtour fällig. Danach ging es im wahrsten Sinne bergauf und ich habe 11 Monate nach der Operation eine Trekkingtour in Nepal mit insgesamt ca. 6.400 Höhenmeter rauf und 6.000 Höhenmeter runter geschafft. Seitdem habe ich - insbesondere nachts - vermehrt Schmerzen im Knie, führe das jedoch auf Überanstrengung zurück. 

Im April 2000 wurde mir Rimexel, ein neues Rheumapräparat, in das Kniegelenk gespritzt. Das hat die Schmerzen gemindert, aber es ist ein konstanter Schmerz unter der Kniescheibe vorhanden, der nach längerer Belastung geringer wird.

Habe mich am 25.7.2000 nochmals mit Rimexel spritzen lassen. Vom 3.8. bis 18.8. habe ich eine Trekkingtour im Alatau-Gebirge (Grenze zwischen Kasachstan und Kirgistan) ohne Schmerzen bewältigt. Danach habe ich wieder leichte Schmerzen im Knie.

Man gewöhnt sich an die Schmerzen. Sie sind momentan erträglich. Langsam werden die Klammern im Bein hinderlich. Bei Druck auf die Operationsstelle schmerzen sie nicht unerheblich. Nach Meinung des Operateurs sollten die Klammern nach ca. 3 Jahren entfernt werden, da sie sonst zu stark in den Knochen einwachsen und ein späterer Eingriff (künstliches Kniegelenk) problematisch wird.

Ende Januar 2001 habe ich das Skifahren probiert. Seit meiner Operation hatte ich unterschwellig davor Angst. Als ich auf den Skiern stand, war alles vergessen und es klappte hervorragend. Allerdings machten sich die langen Abfahrten bemerkbar und das Knie schmerzte anschließend über einen längeren Zeitraum.

Ich lasse mich im Februar 2001 für meine Trekkingtour in Nepal mit einer Rimexel-Spritze im Krankenhaus Neuwittelsbach, München, fit machen.

Spritze

Ich durchlaufe einen Kreislauf. Alle zwei Monate eine Spritze, die Schmerzlinderung bringt. Die Schmerzen steigern sich langsam, wobei viel Bewegung zu einer Schmerzlinderung beiträgt. 

Im Juni 2002 sind meine Zehen nach mehreren Tagen im Karwendel taub. Da sich dieser Zustand über mehrere Tage nicht ändert, gehe ich zu meinem Orthopäden, der mir Einlegesohlen verschreibt. Seitdem habe ich bei längeren Bergtouren nach 5-6 Stunden Gehzeit stark schmerzende Fußsohlen und taube Zehen. Die Gehzeiten verkürzen sich immer stärker.

Nachdem man mir dringend empfohlen hat, kein Cortison mehr spritzen zu lassen, hat sich der Zustand verschlechtert. Da ich seit Februar 2003 grundsätzlich kein Cortison mehr einnehme, kann ich nur noch kurze Strecken gehen. Im Juni 2003 will ich meine Bergtauglichkeit testen und mache mit meiner Frau eine Bergtour. Nach ca. 1 Stunde Aufstieg bekomme ich plötzlich Schmerzen im Brustbereich und kann schlecht atmen. Wir brechen die Tour ab und gehen langsam zurück. Die Schmerzen lassen nach und ich fahre nach Hause. Dann am Nachmittag plötzlich heftige Schmerzen in der Brust und Schweißausbrüche. Sofort zum Kardiologen, dort Untersuchung und der Notarzt wird gerufen. Anschließend wird im Krankenhaus ein Gefäßverschluss festgestellt und ein Stent eingesetzt.

Herzkranzgefäße

3 Monate später wieder Herzprobleme - Kardiologe - Notarzt - Krankenhaus. Wucherungen am Stent haben das Gefäß verengt und es muss gedehnt werden. 

Ich habe weiterhin Schmerzen im Brustbereich und muss innerhalb eines Jahres 4 Herzkatheder über mich ergehen lassen. Man findet nichts am Herzen, aber die Schmerzen bleiben.

Zwischenzeitlich geht es auch in der rechten Schulter los. Ich kann den Arm nicht nach oben bewegen und habe nachts Schmerzen im Oberarm. Nach manueller Therapie, Spritzen und Elektrobehandlung tritt keine Besserung ein. Bei einem Schulterspezialist werden neben einer Arthrose eine Reihe von Schäden im Schultergelenk festgestellt und es wird ein Operationstermin für August 2004 festgelegt. 

Ein Besuch bei meinem Knie-Operateur ergab, dass die Arthrose weiter fortgeschritten ist. Als nächster Schritt sollen die verbliebenen Klammern entfernt und das Gelenk bei einer Arthrosekopie "gereinigt" werden. Das könnte mich vorübergehend von den Schmerzen befreien. Aber es wird kurz oder lang ein künstliches Gelenk geben.

Da das Entfernen der Klammern einen längeren Krankenhausaufenthalt und anschließend noch Krücken bedeutet, entschließe ich mich im Mai 2004 zu einer Arthrosekopie . Das Knie wird "gereinigt" und Bänder geglättet. Nach dem Eingriff habe ich weiter Schmerzen und das Gehen in unebenem Gelände hat sich verschlechtert. Als ich kaum noch Treppensteigen kann, steht die nächste Operation an.

Ein Besuch bei einem Angiologen hat ergeben, dass die Beine von der Leiste abwärts schlecht durchblutet sind und es wird eine arterielle Verschlusskrankheit (auch als "Schaufensterkrankheit" bekannt) festgestellt. Es gibt einen Zusammenhang zu dem Verschluss des Herzkranzgefäßes. Eine Operation ist nicht möglich und es gibt nur die Devise: laufen - laufen - laufen.

Da eine Knieoperation zwingend notwendig geworden ist, sage ich die geplante Schulteroperation ab und im September 2004 werden in einer Operation die Klammern entfernt und eine Knieendoprothese eingesetzt. Nach 14 Tagen kann ich schon die ersten Gehversuche ohne Krücken machen und bin nach einer 3wöchigen Anschlussheilbehandlung (AHB) relativ fit. Ich kann meine Gehstrecke auf eine 3/4-Stunde steigern und kann auch wieder Sport machen und Fahrrad fahren. 

Auch eine kleine Bergtour habe ich unternommen und das Skifahren geht bestens. Ein voller Erfolg.

Als Nebeneffekt hat mein Therapeut in der AHB mir Übungen für meine Schulter gezeigt und auch hier konnte ich eine deutliche Besserung erzielen, die mir eine Operation erspart.

Knie Knie

Knie

vor dem Eingriff

abgenutzter Knorpel

nach der OP

Wo ist nun der Zusammenhang dieser Erkrankungen zu finden? Die Spezialisten sehen nur ihr Fachgebiet und konnten mir keine Zusammenhänge aufzeigen. Im Internet habe ich dann Aussagen gefunden. So kann eine Polyarthritis Herz-Kreislauf-Krankheiten auslösen. Sie führt zu einer "Fehl-Aktivierung" der Arterieninnenhaut, des sogenannten Endothels. Man spricht dann von einer endothelialen Dysfunktion. 

Wie kann ich jetzt mit diesen Schwächen umgehen? Gegen die Psoriasis-Poly-Arthritis spritze ich einmal wöchentlich Enbrel, ein "Biological", das sehr teuer ist (1 Spritze 245 €). Für das Herz mache ich jeden Tag Ausdauertraining; mindestens eine halbe Stunde Fahrrad oder Stepper im Fitness-Center und für die Schulter Gerätetraining. Die Füße profitieren davon ebenfalls.

Was einmal relativ "harmlos" als Schuppen auf der Haut begann, hat langsam vom ganzen Körper Besitz ergriffen. So hat ein genetischer Defekt, der die Psoriasis auslöst, mein Leben stark verändert. So sehe ich auch die Genforschung aus einer anderen Perspektive.

© Siegfried Neukamm