Island 1997

Sonntag, 27. Juli 1997

Die Maschine der Air Atlanta fliegt entlang der Südküste von Island den im Westen gelegenen Flughafen Keflavik an. Wir sehen aus der Luft die gewaltige Eismasse des Vatnajökull und den Krater des darunter schlummernden Vulkans, der ein Jahr zuvor ausgebrochen war und die Ringstraße um Island in diesem Teil zerstört hatte. Zur Linken die Westmänner-Inseln und kurz danach landen wir in Keflavik.
Ein Bus bringt uns nach Reykjavik und wir fahren mit Taxi zu unserer Unterkunft. Da der Tag noch lange dauert, nutzen wir das schöne Wetter zu einem Ausflug auf den Aussichtspunkt "Perlan", der einen schönen Blick auf die Stadt, den Hafen und am Horizont die Halbinsel Snaefellsness, mit dem Gletscher, bietet.

Montag, 28. Juli 1997

Vor unserer Unterkunft wartet noch ein Ehepaar auf Abholung. Als ein großer Geländewagen vorfährt, dem eine sportliche Frau entsteigt, entdecken wir, dass wir die gleiche Reise machen und die einzigen Teilnehmer sind.

An einer verlassenen Walstation vorbei geht es zu der Halbinsel Snaefellsness. Über die Ortschaften, die wir durchfahren, erzählt uns unsere Reiseführerin Aldis lustige und schaurige Sagen, wie die Egill-Saga, die den Bildhauer Asmundur Sveinsson zu einer gewaltigen Skulptur inspirierte, die wir bei Borganes besichtigen.

Leider fängt es leicht zu regnen an, als wir das Westende der Halbinsel erreichen und so bleibt der Gletscher uns verborgen. Der Gletscher, bei dessen Krater die "Reise zum Mittelpunkt der Erde" von Jules Verne begann und dem der isländische Dichter Halldor Laxness mit seinem Roman "Am Gletscher" übernatürliche Kräfte und außerirdische Wesen zugesprochen hat.

Wir werden mit einer guten Fischsuppe entschädigt und beobachten die zahllosen Seevögel, die in den steilen Felsklippen nisten.

Der Tag endet mit einem Besuch an der "Eisenküste", wo einst die Bauern in den Monaten Februar bis Mai, wenn sie nicht ernten konnten, mit 2-300 Boote unter härtesten Bedingungen Fische gefangen haben. Die zurückgelassenen Gegenstände sind verrostet und haben diesem Uferstreifen seinen Namen gegeben.

Dienstag, 29. Juli 1997

Heute geht es auf das Meer. In Stykkisholmur gehen wir auf ein Schiff und fahren durch die ca. 2.700 Inseln des Breidafjödur. Eine tolle Vogelwelt erwartet uns und auf der Rückfahrt gibt es noch frische Krabben.

Am Nachmittag besteigen wir schweigend den heiligen Berg, den Blick stets nach Osten, denn nur dann darf man sich am Gipfel etwas wünschen, das selbstverständlich in Erfüllung geht.

Durch das Lachsflußtal fahren wir durch schöne Landschaft zu unserer Unterkunft, wo wir in heißem Quellwasser baden.

Mittwoch, 30. Juli 1997

Es nieselt als wir auf einem Gestüt ankommen, wo wir die Islandpferde in allen Gangarten vorgeführt bekommen.

Als wir im Dorfmuseum Glaubaer eintreffen bessert sich das Wetter. Ein weiterer Höhepunkt ist die alte Torfkirche von Vidimyn. Das Wetter wird auf der Weiterfahrt Richtung Nordküste immer besser und wir fahren durch das "Summervalley, blissful, blest - bathed in sunlight now and ever" wie es der hier geborene Jonas Hallgrimsson, der der Kirche in Reyjavik seinen Namen gegeben hat, besingt.

Bei strahlendem Sonnenschein bummeln wir durch Akureyri, der "Hauptstadt" des Nordens. Wir entfernen uns wieder von der Küste und beziehen am  Abend in Fosshall ein Zimmer mit Blick auf den Godafoss.

Donnerstag, 31. Juli 1997

Um 07 Uhr stehe ich alleine am Wasserfall Godafoss und genieße die Ruhe vor der gewaltigen Kulisse. Nach dem Frühstück setzen wir uns den Mücken am Myvatn-See aus. Sie können uns nicht die interessanten Eindrücke verderben. Nach einer kleinen Wanderung durch die Pseudokrater lassen wir die bizarren Lavatürme von Dimmuborgir auf uns einwirken.

In der gepflegten Parkanlage Höfdi machen wir Picknick um uns für das Hochtemperaturgebiet zu stärken. Unsere Reiseleiterin überprüft noch unsere Schuhe, ob sie auch den Temperaturen standhalten und dann bewegen wir uns vorsichtig in einer furchterregenden Landschaft. Es zischt, brodelt, kocht und stinkt.

Doch es kommt noch schlimmer, als wir nach kurzer Fahrt durch das noch qualmende Lavafeld von Kraftla wandern.

Am Abend sind wir froh, als wir wieder wohlbehalten in reiner Luft in Fosshall sitzen und isländische Lieder singen, die uns unsere Reiseleiterin beigebracht hat.

Freitag, 1. August 1997

In Änderung des Reiseprogramms fahren wir an die Nordküste nach Husavik wo wir eine Wal-Beobachtungs-Fahrt machen und auch tatsächlich Wale sehen. Aufgeregt geht die Fahrt weiter entlang der Küste zu einem Fossilien-Museum und dann schwenken wir wieder in das Inland ein. Bei leichtem Regen nehmen wir unser Lunch bei einer Pferdefarm ein.

Als wir unser nächstes Ziel, die Echofelsen, erreichen hört der Regen auf und wir gehen 2 Stunden durch Lavafelsen zu dem roten Hügel. Auf der Weiterfahrt machen wir in Asbyrgi einer gigantischen, hufeisenförmigen Felsformation halt. Wir fahren zum Ende des Kessels und wandern zu einem kleinen See und besteigen einen Aussichtspunkt, der die Größe dieses "Hufabdrucks von Sleipnir, dem achtbeinigen Pferd des Gottes Odin" - wie es die ersten Landnehmer glaubten - erkennen lässt.

Samstag, 2. August 1997

Heute stehen wir vor dem größten Wasserfall Europas, dem Dettifoss. Ohne Abgrenzung kann man direkt an die in die Tiefe stürzenden Wassermengen herantreten. Ein gewaltiges Spektakel. 

Dann verlassen wir die Route 1, die Hauptstraße, und folgen 64 km dem Gletscherfluss Jökulsa  a Fjollum über eine endlose Fläche aus schwarzem Schotter und Kieselsteinen. Bei einer Furt machen wir Mittagspause umgeben von einem Teppich von arktischen Weideröschen. Dann erfolgt die erste Flussdurchquerung und für ein Foto fährt unsere Führerin nochmals durch den Fluss. Wir überqueren ein 20 km langes Lavafeld und haben stets den 1.060 Meter hohen Herdubreit, dessen breiter Gipfel von Wolken bedeckt ist, vor uns.

Wir spazieren durch die Oase Breidarlindir und treten in einem Sandsturm die Rückfahrt an.

Nach 2 Stunden sind wir wieder aus der Wüste und nehmen Kurs auf die Ostküste.

Sonntag, 3. August 1997

Wir fahren die Küste entlang und sammeln Steine an einem Felsbach. Ich habe Glück und finde einen relativ großen Kristall. Das Wetter verschlechtert sich und die wechselnde Wolkenstimmung verzaubert die Landschaft.

Bei einer US-Satellitenstation fotografieren wir Islandpferde und folgen weiter der Küste. Plötzlich sehen wir den Gletscher des Vatnajökull und haben auch schon unser Tagesziel erreicht.

© Siegfried Neukamm

Montag, 4. August 1997

Entlang des Gletschers geht die Fahrt zu dem von Eisbergen strotzenden See Jökulsarlon. Begierig fotografieren wir bei strahlend blauem Himmel. Dann eine weitere Steigerung, die Bootsfahrt auf dem See, der schon Kulisse für einen James Bond Film war. Zum Abschluss gibt unsere Reiseführerin noch einen Branntwein auf Gletschereis aus dem See aus.

Und schon ein weiterer Höhepunkt. Bei dem Flughafen von Orafi wartet ein Traktor mit Anhänger auf uns, der uns durch Wasser und Vulkansand nach Ingolshöfdi, einem von vielen Vögeln besiedelten Vorgebirge an der Küste,  bringt.

Auf der Hochfläche greifen Raubmöwen an und an der Steilwand nisten die Papageientaucher. Am Strand sehen wir Kegelrobben und sind von der Wildheit der Gegend beeindruckt. Auf der Rückfahrt beginnt es zu regnen, was alles noch gespenstischer wirken lässt.

Da in Island das Wetter so launisch wie eine Ziege ist, haben wir an unserem nächsten Ziel, dem Naturschutzgebiet Skaftafell, wieder gutes Wetter. Wir steigen zum Wasserfall Svartafoss auf, der von Basaltsäulen umgeben ist und der der optisch schönste Wasserfall Islands sein dürfte.

Nach einem langen Tag erreichen wir um 20:30 Uhr unsere Unterkunft.

Dienstag, 5. August 1997

Bei regnerischem Wetter erreichen wir den schwarzen Strand von Vik. Hier trifft der dunkle Nordatlantik mit überraschender Heftigkeit auf den langen schwarzen Sandstrand. Bei dem diesigen Wetter wirken die hoch aus dem Meer aufragenden Felsfinger, die Reynisdrangur, unheimlich und bedrohlich.

Auf der Weiterfahrt besuchen wir den Skogarfoss, der zu den schönsten Wasserfällen Islands gezählt wird.

Dann erleben wir noch einen Wasserfall, den man von hinten umgehen kann. Steht man hinter dem Seljalandsfoss, stürzen die Wassermassen wie ein riesiger Vorhang, der an den Rändern ausfranst, herab.

Mittwoch, 6. August 1997

Ein Tag neuer Höhepunkte: die Bischofskirche von Skalholt mit ihrem modernen Altar, in der gerade Orgel gespielt wird. Dann der Gullfoss, der Goldene Wasserfall, der in zwei Kaskaden, deren Stufen fast senkrecht aufeinanderstoßen, brüllend und donnernd in die Tiefe stürzt. Aber nicht nur der Wasserfall überdeckt uns mit Gischt, sondern auch vom Himmel kommt das Wasser in Strömen und wir müssen uns in dem nahegelegenem Informationszentrum erst einmal trocknen, bevor die Fahrt weitergeht.

Wir erreichen bei wieder gutem Wetter die Geysire, die brav alle 8 bis 10 Minuten bis zu 20 Meter hoch aufsteigen.

Anschließend wandern wir durch Thingvellir, dem historischen Tal mit Vulklankulisse. Hier in dieser gewaltigen Naturarena mit Rissen und Spalten, die durch die Erdtrift entstehen, fanden die Volksversammlungen statt. Die Isländer haben zu diesem Ort, wo das Land sich einst selbst regiert hat, eine besondere Zuneigung entwickelt. So fand 1944 die Zeremonie zur Erklärung zu einem eigenständigen Staat selbstverständlich hier statt.

Leider liegt Thingvellir nahe an Reykjavik, so dass mit dem heutigen Tag unsere Rundreise endet.

Donnerstag, 7. August 1997

Früh sind wir mit einem Bus zu dem Einkaufszentrum Kringlan in Grensas gefahren, waren aber enttäuscht. Eine Besichtigung der Hallgrims-Kirche mit Turmbesteigung stand am Nachmittag auf dem Programm. Danach noch ein Stadtbummel und zum Abschluss des Tages haben wir noch die Vulkan-Show besucht, absolut sehenswert.

Freitag, 8. August 1997

Was tun mit einem freien Tag in Island? Natürlich haben wir einen Tag auf dem Rücken von Islandpferden gebucht. Da haben wir noch nicht gewusst, was uns Nichtreiter erwartet. Wir werden mit wetterfester Kleidung eingekleidet, bekommen einen Helm und eine Satteltasche und irgendwann auch ein Pferd. Dann wird das Tor der Koppel geöffnet und ohne eine Einweisung geht es ins Gelände. Die Pferde langweilen sich mit uns und zeigen uns das ganze Spektrum ihrer Gangarten, wobei wir nur versuchen im Sattel zu bleiben, was gar nicht so einfach ist, wenn es durch das Lavagestein geht, das so hoch ist, dass man die Beine aus den Steigbügeln nehmen muss, um nicht an den Steinen hängen zu bleiben. Mit Sorge sehen wir geraden Strecken entgegen, auf denen die Pferde galoppieren und unsere schmerzenden Knochen durcheinanderschütteln. 

Irgendwann machen wir auf einer Hochebene Rast und man kann in den heißen Quellen baden. Doch die Pause geht zu Ende und wir besteigen wieder unsere Pferde und überqueren heiße Bachläufe, die die Pferde zum Scheuen bringen oder mit einem plötzlichen Sprung überqueren und wir uns hilflos in die Mähnen krallen um nicht in das Wasser zu fallen. An einem Steilhang müssen wir absitzen und die Pferde führen. Dann geht es weiter auf schmalen Pfaden. Ab und zu rutscht ein Reiter ganz langsam an der Seite seines Pferdes herunter und die Kolonne bleibt stehen, bis das Missgeschick wieder behoben ist. 

Endlich sehen wir am Horizont die Ranch. Aber auch die Pferde riechen ihren Stall und legen einen letzten Galopp hin, der nochmals unser ganzes Steh- bzw. Sitzvermögen abverlangt Steifbeinig steigen wir von unseren Reittieren, satteln ab und sind glücklich noch zu leben.

Rückflug, 9./10. August 1997

Am Samstag, den 9. August, fahren wir um 22:15 Uhr mit Taxi von unserer Unterkunft zum vereinbarten Sammelpunkt und dann mit Bus zum Flughafen nach Keflavik. Auf der Anzeigetafel sehen wir, dass unser Flug auf 04:45 verschoben wurde. Wir kaufen im Duty-Free ein und lesen und warten. Um 02:00 Uhr gibt es etwas zu essen. Der Flug ist inzwischen auf 05:15 Uhr verschoben. Der Duty-Free schließt und öffnet. Um 05:15 beginnt das Einsteigen und um 06:05 starten wir. Als wir langsam an Höhe gewinnen wird es unwahrscheinlich laut und die Stewardessen werfen sich seltsame Blicke zu. Dann kommen Leute der Crew aus dem Cockpit und begutachten die Türe und schließlich erscheint sogar der Flugkapitän. Als wir aus dem Fenster schauen, sehen wir, dass wir Kurs auf das Meer genommen haben und Kerosin abgepumpt wird. Es folgen Durchsagen auf isländisch und ein paar Passagiere schreien auf. Die Maschine beginnt einen Sinkflug und um 06:35 sind wir wieder in Keflavik am Flughafen. Wir sollen im Flugzeug warten, bis die Türe gerichtet ist. Dann werden wir gebeten das Flugzeug zu verlassen. Alles rennt zu den Toiletten, da die Mägen rebellieren. Um 09:00 Uhr kommt die Ansage, dass wir in ein Hotel gebracht werden. So sitzen wir um 10:00 Uhr in Keflavik im Hotel und frühstücken. Dann versuchen wir zu schlafen. Um 16:00 Uhr neue Information: 18:00 Abendessen, 24:00 Uhr Abfahrt und 02:30 Uhr Start.

Doch es kommt wieder anders: 01:00 Uhr Abfahrt, 04:30 Uhr Start und um 10:30 Uhr sind wir endlich in München.

Bilder